"Eco-Art"Steinspirale am Eimersee

Kühe, die sich an Metallstehlen schubbern, unerwartete Kunstobjekte inmitten der Agrarlandschaft, das ist Land-Art, die Landschaftskunst, wie sie in den vergangenen Jahren Schleswig-Holstein erobert hat. Die Stadt Eckernförde hat seit dem Frühsommer 2003 ihre eigene Form von Land-Art, im Hinblick auf ihren ökologischen Nutzen auch als "Eco-Art" bezeichnet.

Lage

Wer mit dem Auto auf der Kreisstraße 87, der sogenannten Bundeswehrstraße von Hemmelmark kommend in Richtung Barkelsby / B 203 fährt, kann kurz vor dem Fußweg zum Oberen Eimersee auf der linken Seite an der Flanke eines flachen Hügels eine aus Feldsteinen aufgesetzte Spirale mit einem Durchmesser von etwa 15 Metern entdecken. Von der Borbyer Hufe über den Fußweg kommende Wanderer sehen das Objekt von Süden her in Richtung Bundeswehrstraße blickend. Die Fernwirkung macht neugierig und lädt zur näheren Betrachtung oder gar zum Begehen der Spirale ein, denn durch die drei Windungen der 75 m langen Trockensteinmauer kann man das Zentrum erreichen und sich auf gleichem Weg wieder hinausdrehen.

Entstehung

Dass die Steinspirale an dieser Stelle entstehen konnte, ist auf das Zusammentreffen mehrerer glücklicher Umstände zurückzuführen:

Der Eckernförder Künstler Rüdiger Ziegler hatte, inspiriert durch die in Renaturierung befindliche Landschaft um den Eimersee (vgl. Michael Packschies: 10 Jahre "Oberer Eimersee" in Eckernförde; Jahrbuch 2001 der Heimatgemeinschaft Eckernförde) die Idee zu einer begehbaren Steinspirale entwickelt und stellte diese mit Hilfe einer Zeichnung dem die Abteilung Naturschutz und Landschaftsplanung der Stadt Eckernförde leitenden Verfasser dieses Beitrages vor. Das Konzept wurde sofort für gut befunden, verknüpft es doch Naturschutz und Kunst auf höchst interessante Weise. Trockensteinmauern sind als Wärmeinseln Lebensraum für Reptilien, Insekten und spezialisierte Pflanzenarten. Setzt man diese spiralförmig auf, kommt eine sich auf Urformen der Natur beziehende Symbolik hinzu, die den Menschen zum Begehen des Objektes und zum Nachdenken anregen kann.

Zeitgleich war Klaus Schnack, Ausbilder beim Berufsfortbildungswerk Eckernförde (BFW), mit der Planung einer weiteren Qualifizierungsmaßnahme befasst. Er überlegte, wie die Teilnehmer der Maßnahme handwerkliche Fähigkeiten einüben und gleichzeitig etwas dauerhaftes und für sie selbst interessantes errichten könnten. Das Aufsetzen einer exponiert liegenden Trockensteinmauer in Spiralform war eine Herausforderung und packende Aufgabe, die innerhalb von 2 Monaten gemeistert wurde, wenn auch verschiedene Abschnitte der Mauer erst nach mehrmaligem Aufbau die nötige Qualität und Stabilität erreichten und die Steinbeschaffung schwierig war, da der Segelclub Eckernförde gerade alle Steinlager der Umgebung für die Sanierung seiner Mole abgeräumt hatte. Der Künstler selbst war am Aufbau der Spirale ebenfalls aktiv beteiligt.

Das Eco-Art-Projekt "Steinspirale" führte zur vollen Zufriedenheit bei allen Beteiligten: Rüdiger Ziegler konnte seinen Entwurf so zeitnah verwirklichen, wie er es nicht zu hoffen gewagt hatte, die Teilnehmer der BFW-Qualifizierungsmaßnahme schufen mit Elan etwas, das Bestand hat, und die Stadt Eckernförde kam für Materialkosten von nur etwa 1.000 € zu einer optischen und ökologischen Bereicherung der Landschaft.

Entwicklung

Die Spirale war übrigens kaum fertig, da wurde sie auch schon von einer Schulklasse in die Projektwoche einbezogen und von einer japanischen Besuchergruppe mit Begeisterung fotografiert.

Und wie wird die zukünftige Entwicklung aussehen? Die Steinspirale wird von Pflanzen besiedelt werden. Wie schnell, das hängt von der Zahl der Personen ab, die sie begehen. Irgendwann werden auch Gehölze dort wachsen, so dass die Trockenmauer in 50 oder 100 Jahren im Wald verschwunden sein dürfte. Wenn Wanderer sich dann fragen, was es mit dieser überwachsenen und halbverfallenen Steinspirale auf sich hat, können sie im Jahrbuch 2003 der Heimatgemeinschaft Eckernförde nachschlagen.