19.02.2018

Ausstellung Gehorsam und Widerstand

 

17. März - 27. April 2018

Öffnungszeiten: samstags 12 - 15 Uhr, sonntags 14 - 17 Uhr und nach Vereinbarung (während der Schulferien geschlossen)

Künstlerhaus Schleswig-Holstein (Ottestraße 1, 24340 Eckernförde)

Eintritt frei

Veranstalter: Kreis-Rendsburg Eckernförde

 


Mit einer neuen Ausstellung erinnert der Kreis Rendsburg-Eckernförde an das Verhalten seiner Landräte in der Zeit des Nationalsozialismus. Zehn ausgewählte Biografien zeigen, dass es Mittäter gab, aber auch Mutige, die sich nicht zum Werkzeug des Unrechtstaates machen ließen. Die Ausstellung "Gehorsam und Widerstand. Landräte der Altkreise Rendsburg, Eckernförde und Bordesholm im Nationalsozialismus" wird am 14. März 2018 um 14 Uhr im Künstlerhaus (Ottestraße 1. 24340 Eckernförde) durch Kreispräsident Lutz Clefsen eröffnet und kann dort bis zum 27. April besucht werden. Der Eintritt ist frei.

Bereits vor rund zwei Jahren wurde nach einem Beschluss des Ausschusses für Schule, Sport, Kultur und Bildung die Vergangenheit der Landräte wissenschaftlich aufgearbeitet. Das Gutachten der Historiker Prof. Dr. Thomas Großbölting und Lukas Grawe M. A. zur möglichen Verstrickung der Landräte im Nationalsozialismus diente jetzt als Grundlage für die Entwicklung der Ausstellung. Um die Ergebnisse der Forschung anschaulich zu machen, entstanden zwölf Schautafeln. Auf ihnen werden zehn Personen vorgestellt, die während des Nationalsozialismus oder in der Zeit davor und danach das Landratsamt bekleideten. Ihre Biografien sollen exemplarisch die Arbeit, Haltung und Handlungsspielräume der Landräte verdeutlichen.

Bei ihrer Arbeit konnte die Kuratorin Julia Liedtke M. A. auf einen umfangreichen Quellenbestand in schleswig-holsteinischen und Berliner Archiven zurückgreifen. Einige der Originale sind nun als Reproduktionen auf den Ausstellungstafeln zu sehen. Sie dokumentieren anschaulich die Vielfalt der Beziehungen der Landräte zur herrschenden Partei. So belegt ein Befehl des preußischen Innenministers vom April 1933 die systematische Entlassung der Landräte nach der Machtübernahme Adolf Hitlers. Neben anderen wurde der Rendsburger Landrat Theodor Steltzer nach mehr als zwölfjähriger Amtszeit in den Wartestand versetzt. Sein Nachfolger Wilhelm Hamkens verdankte seine Karriere in Partei und Verwaltung insbesondere der Fürsprache des NSDAP-Gauleiters Hinrich Lohse. Als überzeugter Nationalsozialist koordinierte Hamkens die parteipolitischen Aktivitäten im Kreis und stieg 1938 im Anschluss an die Tätigkeit als Landrat zum schleswig-holsteinischen Regierungspräsidenten auf.

Auch die umfangreichen Befugnisse des Landrats lassen sich anhand der historischen Dokumente nachvollziehen. Ihm unterstand beispielsweise die Polizei, sodass er mit dem in der NS-Zeit neu geschaffenen Instrument der "Schutzhaft" Inhaftierungen ohne gerichtliche Kontrolle anordnen konnte. Ab 1933 überwachte und koordinierte der Landrat zudem den "Arbeitseinsatz" ausländischer Zwangsarbeiter und Kriegsgefangener.

Die Wanderausstellung "Gehorsam und Widerstand. Landräte der Altkreise Rendsburg, Eckernförde und Bordesholm im Nationalsozialismus" will zu einer Auseinandersetzung mit diesem wenig bekannten Aspekt der Geschichte unserer Region anregen. Im Anschluss an die Präsentation stehen die mobilen Ausstellungstafeln ab Mai zur Ausleihe für Schulen und öffentliche Einrichtungen bereit. Zur Vertiefung kann das wissenschaftliche Gutachten mit allen 20 untersuchten Biografien der Landräte auf den Internetseiten des Kreises Rendsburg-Eckernförde eingesehen werden (www.kreis-rd.de/gehorsam-und-widerstand).